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Biol.:
Das Lorenz heutigen wissenschaftlichen
Maßstäben nicht entspricht wurde auch in einem diesjährigen
"Experiment" (anläßlich seines Geburtstages) sichtbar. Man schickte
Studien von ihm unter einem anderen Namen an verschiedene Fachzeitschriften, die
die Publikation aber aufgrund verschiedenster Mängel ablehnten.
Dies mag also ein Einwand gegen Lorenz, nicht
aber gegen die heutige Ethologie sein.
Der verantwortliche Umgang der Ethologen mit dem
Tier-Mensch-Vergleich erzwingt eine sehr vorsichtige Vorgehensweise. Das beruht
auf dem Problem, daß eine Homologisierung auf der Ebene von
Erbkoordinationen, d.h. formkonstanten, arttypischen Bewegungsabläufen, nur
selten möglich ist. Dagegen haben der Mensch und andere Primaten allgemeine
Verhaltensdispositionen gemeinsam, die unter Einbeziehung von Lernprozessen zu
vergleichbaren Verhaltensweisen führen können. In diesem Sinne kann
auch angenommen werden, daß die Aggression des Menschen
stammensgeschichtliche Wurzeln im Tierreich hat.
Human. Psy.:
Das zu tolerieren fällt nicht so schwer. Es
ist kein Problem zu akzeptieren, daß der Mensch eine Ahnenreihe besitzt,
die ihm eine Erbe hinterlassen hat. Nur kann daraus keine Verhaltensbestimmung
bei heutigen Menschen erfolgen, da gerade die Unterschiede zu unseren tierischen
Vorfahren handlungsbestimmend sind.
Kogni.:
Möglicherweise können durch
Tierbeobachtungen interessante Ideen über menschliches Handeln geboren
werden - so formuliert Donald O. Hebb, daß er maßgebliche Thesen zur
Überwindung des Behaviorimus aus der Beobachtung von Affen gewonnen hat
(siehe Spektrum der Wissenschaft 11/93). Aber hierbei muß man sich -so wie
Hebb- auf den Entstehungszusammenhang einer Theorie beschränken und
den Begründungszusammenhang unabhängig davon am eigentlichen
Forschungsgegenstand (dem Menschen!!) aufzeigen. Diese Vorgehensweise bleibt
Lorenz aber dem Leser schuldig.
4. Theoriekonsequenzen im Umgang mit
Aggression:
Lorenz:
Unter extremen Bedingungen (z.B.) kann es zu
unangebrachter, unverhältnismäßiger Aggression kommen. Einsicht
darein hält zwar von gewaltätigen Aktionen ab, schafft aber keine
Linderung. Diese ist nur durch aggressives Abreagieren an Objekten zu erlangen
(redirected activity). (Sinngemäß zusammengefaßt
S.61)
Kogni.:
Diese Theorie entspringt einer Art
Psychohydraulik, die die Möglichkeit der Katharsis - bei der aggressive
Handlungen aggressives Verhalten reduziert - pro-pagiert. Daß es die
Möglichkeit gibt körperliche Energie (z.B. Affekte) umzuleiten, bzw.
an Objekten der eigenen Wahl auszulassen ist unbestritten. Ob solche Aktionen
aber über meine körperliche Verausgabung hinaus zum "Aggressionsabbau"
beitragen ist fragwürdig. Andere (nicht ganzkörperliche) kathartische
Handlungen müßten dann ebenfalls zum psychischen Aggressionsabbau
beitragen. Es ist aber sogar im Gegenteil ein Ansporn-Effekt bei Versuchen
diesbezüglich zu beobachten: z.B. Mallick u.McCandless (1966), oder Kahn
(1966): Bei 2 Gruppen, denen nach einer erlittenen Provokation verschiedene
Verarbeitungswege geboten wurde (1.Gruppe.: kathartisches Interview; 2.Gruppe:
keine Intervention), zeigte die erste Gruppe dem Wiedersacher gegenüber
mehr Aggression, als die 2. Gruppe.
Medienwirkung wie sie von Hicks (1965) untersucht
wurden zeigen zusätzlich, daß Aggression in Filmen bei Kindern zu
einem Anstieg des aggressiven Verhaltens führt.
Das Konzept der Katharsis ist somit ein
fragwürdiges Konzept, und kann vor allem im Hinblick auf therapeutische
Konzepte nicht mehr als angemessen betrachtet werden.
Literaturverzeichnis und
Kodierung
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