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Konrad Lorenz ``Thesen der intraspezifischen Aggression``

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3. Bei Menschen ist die Zuschreibung einer einheitlichen, generellen Funktion der Aggression nicht möglich. Eine unterschiedliche kognitive oder emotionale Bewertung kann zwei Menschen bei der gleichen Situation zu entgegengesetztem Verhalten veranlassen. Darüber hinaus können zwei oder mehr unterschiedliche Zwecke in einer Person konkurieren, was dann als Konkurenz verschiedener Triebe aufgefasst werden müßte.

4. Die Funktionszuschreibung ist mehrdeutig und hängt von dem ab, was der Beobachter als zweckmäßig einstuft. Die Zahl der Verhaltensweisen, die in der Literatur einem Instinkt oder einem Trieb zugeschrieben werden schwanken zwischen 1 und 5684 (Zitat nach Nolting 1978, S.37; L3).


Human. Psy.:
Mit der Zweck zuschreibenden Theoriebildung kann man oft auf problematischste Erklärungen von Gesellschaftsphänomenen stoßen. Außländerfeindlichkeit z.B wird demnach einem beobachtbaren Schutz- und Abgrenzungsbedürfnis zugeschrieben, das sich auch bei Tieren zeigt. Damit wird ihr Argumentativ eine rechtmäßige Natürlichkeit verliehen. Im Folgenden wird dann gar nicht mehr untersucht ob die fremdenfeinliche Einstellung auch wirklich diese Funktion hat, sondern nur noch die Stärke der Ausprägung herangezogen. Andere mögliche Erklärungsmuster dieses Verhaltens (kollektiver Narzißmus, Attribuierung persönlicher Probleme, etc.) bleiben unberücksichtigt. Die Auswahl des Begründungs-zusammenhangs ist einseitig und unzuläßig unvollständig. Hier scheinen Längsschnittstudien die nach Bedingungszusammenhängen forschen sinnvoll zu sein (z.B. Mantell "Familie und Aggression. Zur Einübung von Gewalt und Gewaltlosigkeit"; 1978)


Kogni.:
All diese (oben genannten) Probleme lassen sich als Gefahr des teleologischen Irrtums zusamenfassen. Die Forschung unter dieser Fragestellungen ermöglicht also weder einen Hinweis über den funktionalen Grund von Aggression, noch über die Verankerung als primärer Trieb in der Person.
Darüber hinaus bleibt noch die Frage der Forschungsmethode offen.

Lorenz:
Die induktive Naturwissenschaft beginnt stets mit der voraussetzungslosen Beobachtung der Einzelfälle und schreitet von ihr zur Abstraktion der Gesetzlichkeit vor, der sie alle gehorchen. (...) .Es ist leicht und billig eine Theorie zu entwickeln, und sie dann mit Beispielen zu untermauern, denn die Natur ist so vielgestaltig, daß man auch für völlig abstruse Hypothesen bei fleißigem Suchen scheinbar überzeugende Beispiele finden kann.(S.9)

Kogni.:
Schon Hume, aber vor allem die Wissenschaftstheoretiker des 20. Jh. (besonders Popper) kritisierten die induktive Methode. Zum Einen ist die voraussetzungslose Beobachtung nicht möglich, da eine Forschungsperspektive und ihre Methoden immer eine Eingrenzung des Gegenstandes vornehmen. Zum Anderen gehen wissenschaftliche Hypothesen über das Beobachtbare hinaus. Es kann von Herrn Lorenz auch kein Aggressionstrieb beobachtet werden, sondern nur ein Verhalten, das Sie als einen Trieb deuten. Naturwissenschaftliche Gesetze lassen sich auch nicht aus dem Beobachtbaren unmittelbar abstrahieren. Beobachtungen lassen immer mehere Deutungen zu, was auch die bisherige Diskussion zeigt. Möglicherweise kann eine wissenschaftliche Hypothese durch Beobachtung induktiv unterstützt oder geprüft werden, aber unmittelbar zuverlässig daraus generiert werden kann sie nicht.
Somit ist es auch mit der induktiven Methode durchaus möglich zu "abstrusen Hypothesen" zu gelangen. Diese Gefahr scheint sogar größer zu sein wenn man seine Hypothese nicht als deduktive Vermutung zur Diskussion stellt, sondern glaubt, induktiv zu einem Gesetz gelangt zu sein. Und letzteres gibt Lorenz vor.

  
Psychologie. UTB basics
Siehe auch:
Social Psychology and Social Psychology Stude...
Entwicklungspsychologie
Sozialpsychologie. UTB basics
Pädagogische Psychologie. UTB basics
Lacan: Eine Einführung in die strukturale Psychoa...
 
   
 
     
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