Title:

Konrad Lorenz ``Thesen der intraspezifischen Aggression``

Home
deutsch
  
ISBN: 3727012331   ISBN: 3727012331   ISBN: 3727012331   ISBN: 3727012331 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 


Human.Psych:
Die evolutionsbiologische Argumentationsweise muß sich damit aber nicht nur die Kritik einer nach außen hin mißverständlichen Terminologie stellen. Ernst Häckel, der als Nachfolger und Anhänger Darwins die Grundlage zur Popularphilosophie des Sozialdarwinismus legte, hat aktiv das Zweckhafte als konstruktives Prinzip (wie es von Darwin postuliert wude) entfernt, indem er es als Wirkung (durch den Erfolg) definierte. Dem ursprünglich immanent Zweckhaften wurde nun eine zwangsläufige Zielstrebigkeit im Naturverlauf untergeschoben. Diese unscheinbare Änderung und Überdeutung führt besonders seit dem Ende des 19. Jh. ein Eigenleben, das verheerende Wirkung in der Gesellschaft zeigte. Die Degradierung und Ausrottung von Gesellschaftsschichten und Völkern konnte nun sogar von angeblich naturwissenschaftllich denkenden Sozialwissenschaftlern gerechtfertigt werden: Wer überlebt, der hat Erfolg, und wer Erfolg hat steht auf der Seite des evolutionären Naturrechtes und ist das biologisch bessere Individuum. Dabei ist es auch biologisch überhaupt nicht möglich, das zum überleben Zweckhafte für Individuen im vorhinein zu bestimmen, nicht zuletzt weil gesellschaftliche Normen neben anderen nicht biologischen Kriterien das als zweckmäßig Geltende bestimmen. Vor dem Hintergrund dieses geschichtlich dramatischen Mißverständnisses ist es eigentlich erstaunlich, daß Konrad Lorenz seine Argumentation ohne einen klärenden, differenzierenden Hinweis diesbezüglich vertritt.




Lorenz:
Die rein intraspezifische Zuchtwahl kann zur Ausbildung von Formen und Verhaltensweisen führen, die nicht nur bar jedes Anpassungswertes sind, sondern die Arterhaltung direkt schädigen können. Sie tut das immer dann, wenn der Wettbewerb der Artgenossen ohne Beziehung zur außer-artlichen Umwelt, allein Zuchtwahl betreibt. Den bösen Wirkungen intraspezifischer Selektion ist der Mensch aus naheliegenden Gründen besonders ausgesetzt. Wie kein anderes Lebewesen vor ihm ist er aller feindlicher Mächte der außerartlichen Umwelt Herr geworden. Er ist nun tatsächlich sein eigener Feind geworden.(S.46 ff)


Biol.:
Bei Tieren sind ernsthafte Schädigungen durch Ritualisierung (Hemmungsmechanismen) weitgehend ausgeschlossen. Beim Menschen hingegen hat eine Instinktverkümmerung bzw. ein Unwirksamwerden der Hemmungsmechanismen durch Herstellung von Waffen stattgefunden.


Human. Psych:
Diese These läßt sich also dadurch zusammenfassen, daß ein frühsteinzeitlich nützlicher Trieb seinen Sinn verloren hat, und nun blind vor sich hin wütet. Und selbst wenn wir z.B. den genetischen Code solch eines vererbten Verhalten verändern könnten, dürften wir das nicht tun, weil damit einen wichtigen Motor für viele andere Verhaltensweisen verlieren würden (Bezug: Lorenz S.49). Dabei wird der Lebensantrieb den aggressiven Bestrebungen quasi untergeordnet und für untrennbar erklärt, und das deshalb, weil man auch sinnvolle (arterhaltende) Aggression beobachtet hat. Darüber hinaus wird überall wo Aggression zusammen mit einem als überlebenswichtig geltenden Verhalten auftritt eine natürliche Bedingungen postuliert und bei negativen Beispielen ist die Bedingung unnatürlich.
Da diese Schlußfolgerungen keinesfalls zwingend sind, befinden wir uns hier schon im Bereich der zu kritisierenden Theoriebildung.




3.Die Theoriebildung; Anmerkungen und Kritik zur methodischen Vorgehensweise:


Lorenz:
Auch die innerartliche Aggression, die Aggression im eigentlichen Sinne vollbringt eine arterhaltende Leistung. Auch in Bezug auf sie kann und muß die Darwinsche Frage "wozu"? gestellt werden. ...wir werden unsere Aussichten ihr zu begegnen gewiß nicht dadurch verbessern, daß wir sie als etwas Metaphysisches und Unabwendbares hinnehemen, vielleicht aber dadurch, daß wir die Kette ihrer natürlichen Verursachung verfolgen.(S.36)


Kogni.:
Diese teleologische Herangehensweise ist aus mehreren Gründen problematisch:
1. Der Gegenstand (hier Aggression) wird nur noch im Bezug auf seine Funktion erfaßt. Der eigentliche Prozeß und das Verhalten werden nicht mehr aus sich heraus untersucht, sondern in Abhängigkeit zum gedeuteten Überlebenswert. Das Aggression wirklich an die Funktion gekoppelt ist, wurde apriori entschieden und wird nun nicht mehr weiter untersucht.

2. Die eigentliche Forschungsfrage nach dem WIE und WARUM (kausal-analytisch), wird durch die Frage WOZU (teleologisch) ersetzt. Man kann dabei aber nie sicher sein, ob der Zweck auch wirklich die "Ursache" der möglicherweise beobachteten Wirkung ist.
Wenn es heißt:"P. ist schlank, weil er wenig ißt"; (=kausal), dann ist wenig essen wirklich der Grund für seine schlanke Figur.
"P. ißt wenig, um schlank zu bleiben"; (=teleologisch), beschreibt lediglich seine Intention, und sagt nichts über den Grund seines Zustandes (schlank) aus - möglicherweise hat er eine Schilddrüsen-Überfunktion.(L3)
Bei Verhaltensweisen läßt sich aber im günstigsten Fall eine mögliche Intention, nie aber eine kausale Ursache zuschreiben.
  
Männer, Mythen, Mächte: Ein Versuch, Männer zu verstehen
von Allan Guggenbühl
Sonstige Artikel:
IT-Projektmanagement in Krankenhaus und Gesundheitswesen: Einführendes Lehrbuch und Projektleitfaden für das taktische Management von Informationssystemen
Fachkundeprüfung nach dem Sprengstoffgesetz: Für Wiederlader, Schwarzpulverschützen und Böllerschützen. Mit neuem Waffenrecht
Jura-Sonderheft. Examensklausurenkurs: 16 Examenklausuren mit ausformulierten Lösungen-Zahlreiche Originalexamensklausuren-Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht
von Dagmar Coester-Waltjen
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic site:
StudyPaper.com/Startseite/Wissenschaft/Geistwissenschaften/Psychologie

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Copyright ©  |  Impressum