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Konrad Lorenz ``Thesen der intraspezifischen Aggression``

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Kogni.:
Die These der angeborenen Handlungstriebe, die immer noch weitgehend vorherrscht und somit die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Sozialwissenschaftlern verbaut, wird von den Sozialbiologen (Wilson,1975;Barash,1977) zunehmend zugunsten des Begriffes der "genetischen Möglichkeiten" aufgegeben. Hier soll das Zusammenspiel von Erfahrung (Umwelt) und den Mustern der genetischen Möglichkeiten (Anlage) als zentrale Frage behandelt werden.(L11)
Im Rahmen dieser Vorgehensweise ließe sich dann möglicherweise der Stellenwert der unterschiedlichen Focusierungen (Umwelt vs. Anlage) erschließen.




2.Die arterhaltende Funktion der Aggression:
- Das Gute des Bösen, und das mögliche Böse dieser Sichtweise


Lorenz:
Die Frage nach dem Arterhaltungswert des Kämpfens hat Darwin selbst gestellt und auch schon eine einleuchtende Antwort dafür gegeben: Es ist für die Art, für die Zukunft, immer von Vorteil, wenn der stärkere von zwei Rivalen das Revier oder das umworbene Weibchen erringt. Wie so oft ist die Wahrheit von gestern zwar keine Unwahrheit, aber doch nur ein Spezialfall von heute, und die Ökologen haben in jüngerer Zeit eine noch viel arterhaltende Leistung der Aggression nachgewiesen. Wenn nicht etwa die Sonder-Interessen einer sozialen Organisation ein enges Zusammenlebenfordern, ist es aus leicht einsehbaren Gründen am günstigen, die Einzelwesen einer Tierart möglichst gleichmäßig über den auszunutzenden Lebensraum zu verteilen. Die Gefahr, daß eine allzu dichte Bevölkerung einer Tierart alle Nahrungsquellen erschöpft und Hunger leidet, während ein anderer Teil ungenutzt bleibt, wird am einfachsten dadurch gebannt, daß die Tiere einer Art einander abstoßen. Dies ist die wichtigste arterhaltende Leistung der intraspezifischen Aggression.(S.37)


Kogni.:
Dieser Argumentation zufolge würde einfach eine bessere Verteilung des Lebensraumes aggressives Verhalten vermindern. Wenn wir jedoch wissen, daß Anonymität Aggression fördert, und daß sogar dann noch, wenn die instrumentellen Konsequenzen der Aggression nicht im Interesse des Betreffenden sind (Frazer 1974), dann erscheint die lineare Gleichung: je mehr Abstand, desto weniger Aggression, als zumindest ungenügend.
Horn (1974, S.206; aus L11) weist darüber hinaus zurecht darauf hin, daß für jede menschliche Szene, die ethologisch interpretiert wird, sich auch konkurierende und vor allem nicht widerlegte sozialwissenschaftliche Deutungen und Erklärungen finden lassen.


Lorenz:
Der verhaltenspsychologisch recht einfache Mechanismus des territorialen Kämpfens löst in geradezu idealer Weise die Aufgabe, gleichartige Tiere in "gerechter", das heißt für die Gesamtheit der betreffenden Art günstiger Weise über das verfügbare Areal zu verteilen.(S.37)
Wir dürfen annehemen, daß die gleichmäßige Verteilung gleichartiger Tiere im Raum die wichtigste Leistung der intraspezifischen Aggression ist. Doch ist sie keineswegs ihre einzige ! Schon Charles Darwin hat richtig gesehen, daß die geschlechtliche Zuchtwahl, die Auswahl der besten und stärksten Tiere zur Fortpflanzung sehr wesentlich dadurch gefördert wird, daß rivalisierende Tiere, vor allem Männchen, miteinander kämpfen.(S.45)


Human. Psych:
Auf den Menschen bezogen erscheint das nicht plausibel. Wenn z.B. Arnold Schwarzenegger Sie, Herr Lorenz, aus Ihrem Labor mittels seiner Kraft entfernen würde, könnte man nicht von einer günstigen Aufteilung des Areals sprechen. Er könnte dort keine angemessene Arbeit leisten und sich inhaltlich nicht gegen einen Aufrtaggeber durchsetzen. Hier zeigt sich, daß in menschlichen Gesellschaften komplexere Kriterien herrschen, als in der Tierwelt.


Biol.:
Man kann bei der Lorenzschen Argumentation leicht dem verbreiteten Irrtums anheimfallen, Darwin und mit ihm die ganze Biologie würde das "Überleben des Stärkeren" postulieren. Schon bei der Übersetzung des Satzes "survival of the fittest" ins Deutsche wird oft fälschlicherweise "fit" mit "stark", anstatt mit "passend, geeignet" übersetzt. Aber der Passendste in seiner Umwelt ist keinesfalls nötigerweise der Stärkste.
Darüber hinaus ist unter Kampf ums Dasein keine Erklärung für einen aktuellen Kampf sondern das statistisch positive Nachkommensverhältnis zu verstehen.


  
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