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Bio.:
Möglicherweise handelt es sich aber auch
dabei um Mythen. Weidkuhn (1968/69) wies auf die Beschreibungen der
Zuni-Indianer durch R. Benedikt hin, in denen Aggression (z.B. von
Nebenbuhlerinnen) beobachtet wurde (L9). Auch die Arapesch, die angeblich nie
aufeinandeer einschlagen, scheinen nicht ohne Gewalt zu sein. Margret Mead (L10)
schreibt, daß die Kinder darin unterrichtet werden, ihre Wut nicht an
anderen Kindern , sondern an Objekten auszulassen.
Die vorher angesprochene physiologische
Disposition scheint uns darüber hinaus auch aus anderen Gründen als
plausibel. Unter Menschen wie unter Tieren kennzeichnet das männliche
Geschlecht eine höhere Aggressivität. Das dies offensichtlich zum Teil
dem frühen Einfluß von männlichen Sexualhormonen zuzuschreiben
ist, zeigte Edwards (1971) mit einer Studie in der er aggressives Verhalten bei
weiblichen Tieren mit injizierten männlichen Sexualhormonen provozierte.
Kogni.:
Das es physiologische Korrelate zum menschlichen
Verhalten gibt ist unumstritten, aber nicht der eigentliche Kritikpunkt an
dieser Art der Argumentation. Ob Hormone aggressives Verhalten generell
auslösen wäre die relevante Frage, und das läßt sich
schwerlich behaupten. Es gibt weder hormonell, noch auf Chromosomen bezogen
(XYY-Anomalie wurde verdächtigt) direkte Zusammenhänge zu aggressivem
menschlichen Verhalten, die die Hypothese der angeborenen, biol. Aggression
bestätigt. Darüberhinaus ist die Rolle der Hormone psychischen
Einflüßen unterworfen.
Alle bisher dargelegten Kernthesen beziehen den
Aspekt des Lernens mit ein. Da wir keinen Trieb beobachten können, und das
Lernen komplexen Verhaltens unumstritten möglich ist, sollte der
Hauptaugenmerk auf diesem Phänomen liegen. Damit sind nicht nur einzelne
Verhaltensweisen, sondern auch Einstellungen, Werthaltungen mit kognitiven und
emotional-affektiven Anteilen gemeint, die gelernt werden. Das Lernen am Modell,
wie Bandura es postuliert, berücksichtigt auch die kognitiven Aspekte die
über das Handeln entscheiden (z.B.
Erwartungen-Frustration).
Auch die anthropologischen Beispiele, die eine
hohe Varianz der aggr. Handlungen zeigt, ist in Bezug auf die unterschiedlichen
Lernumwelten zu verstehen.
Biol.:
"Es ist eine Erziehungssünde, wenn man
Menschen nicht auf die Aggression vorbereitet, mit der er sich später
auseinandersetzen muß. Jede Verharmlosung der Aggrression unter Hinweis
auf deren angebliche Gelerntheit ist angesichts der vorliegenden Evidenz in
höchstem Grade unverantwortlich (Eibl-Eibesfeld,
1970,S.100)."
Die Rolle der Emotion ist in Bezug auf Aggression
auch bei Ethologischen studien zu beobachten - was aber nicht nur auf Lernen
zurückzuführen ist. Neben den gelernten Verhaltensweisen scheint es
z.B einen interindividuellen emotionalen Ausdruck zu geben. Schon Darwin wies
als Unterstützung seiner These der angeborenen emotionalen Ausdrucksformen
auf die Tatsache hin, daß blinde Kinder ihre Emotionen durch den gleichen
Gesichtsausdruck zeigen wie sehende.
Kogni.:
Man könnte aber auch hier einen
Lernprozeß nicht ausschließen, da die blinden Kinder
möglicherweise eine Verstärkung oder Korrektur ihres Verhaltens durch
andere Menschen bekamen. Wenn man die Berichte von "Kaspar Hauser"-Kindern und
Kindern, die von Tieren aufgezogen wurden vertraut (wie sie z.B. in Indien in
der ersten Hälfte des Jahrhunderts vorkamen) dann fällt hier gerade
die beschriebene emotionale Flachheit der Betroffenen auf.
Biol.:
Beweise im engeren Sinne für die These des
angeborenen Verhaltens lassen sich nach Wieser (1976) in der Tat bis heute nicht
finden. Er folgert: "...daß sich die in den letzten Jahren wieder
virulentgewordene Auseinandersetzung um das Ausmaß der Bedeutung
angeborener Verhaltensweisen durchaus im Rahmen eines jahrhundertealten
Begriffsschemas bewegen, dem die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte wohl
unübersehbar viele Fakten, aber keine entscheidend neue Einsichten
hinzuzufügen vermocht haben."
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